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 Gigantische Vulkanexplosion im Arktischen Ozean (25.06.2008)
Feuer unter dem Eis
Internationale Expedition entdeckt gigantische Vulkanexplosion im Arktischen
Ozean
Bremerhaven, den 23.06.2008. Erstmals konnte ein internationales
Forscherteam in der Tiefe des eisbedeckten Arktischen Ozeans Anzeichen von
explosivem Vulkanismus nachweisen. Wie die Wissenschaftler einer von der
amerikanischen Woods Hole
Oceanographic Institution (WHOI) geleiteten Expedition zum Gakkel-Rücken
in der aktuellen Ausgabe des Fachjournals Nature berichten, entdeckten sie
mit einer speziell entwickelten Kamera in 4000 Meter Wassertiefe ausgedehnte
Ascheschichten am Meeresboden, die auf einen gigantischen Vulkanausbruch
hindeuten.
"An Land sind explosive Vulkanausbrüche nichts Ungewöhnliches
und stellen eine große Bedrohung für ganze Landstriche dar“ ",
erläutert Dr. Vera Schlindwein vom Alfred-Wegener-Institut
für Polar- und Meeresforschung in der Helmholtz-Gemeinschaft, die als
Geophysikerin an der Expedition teilnahm und mit ihrem Team seit vielen Jahren
die Erdbebenaktivität im Arktischen Ozean untersucht. "Im Jahr 79
n. Chr. explodierte der Vesuv und begrub das blühende Pompeji unter
einer Schicht von Asche und Bimsstein. Weit entfernt im Arktischen Ozean,
bei 85° N 85 °E, ereignete sich 1999 nahezu unbemerkt eine ähnlich
heftige Vulkanexplosion hier allerdings unter einer Wasserschicht von
4 Kilometer Dicke.“ Bisher sind die Forscher davon ausgegangen, dass
explosiver Vulkanismus in Wassertiefen von mehr als 3 Kilometern wegen des
großen Umgebungsdrucks nicht vorkommen kann. "Nie zuvor wurden in
Meerestiefen von mehr als 3.000 Metern pyroklastische Ablagerungen und damit
Zeugen von explosivem Vulkanismus gefunden“ , bestätigt Robert Sohn,
Mitarbeiter der WHOI und leitender Wissenschaftler der im Sommer 2007 mit
dem schwedischen Eisbrecher Oden durchgeführten Expedition.
Ein Großteil des Vulkanismus der Erde findet an den so genannten Mittelozeanischen
Rücken und damit völlig unbemerkt am Meeresboden statt. Dort driften
die Erdplatten auseinander, flüssiges Magma dringt in die Lücke
und bildet in unzähligen Vulkanausbrüchen laufend neuen Meeresboden.
Begleitet von kleinen Erdbeben, die an Land nicht registriert werden, fließt
Lava auf den Meeresboden. Die unspektakulären Ausbrüche halten
in der Regel nur wenige Tage oder Wochen an.
Der Gakkel-Rücken im Arktischen Ozean öffnet sich mit 6 bis14 Millimetern
pro Jahr so langsam, dass gängige Theorien Vulkanismus für unwahrscheinlich
hielten bis 1999 eine Serie von 300 starken Erdbeben über 8 Monate
einen Vulkanausbruch bei 85°N 85°E in 4 Kilometer Wassertiefe signalisierte.
Wissenschaftler des Alfred-Wegener-Instituts wurden auf diesen Erdbebenschwarm
aufmerksam und berichteten im Fachjournal EOS im Jahr 2000 über dessen
ungewöhnliche Eigenschaften.
Seit 2006 untersucht Vera Schlindwein mit ihrer Nachwuchswissenschaftlergruppe
die Erdbebenaktivität solch ultralangsamer Rücken intensiv. "Das
Meer über dem Gakkel-Rücken ist ganzjährig mit Eis bedeckt.
Um kleine Erdbeben, die die aktiven geologischen Prozesse begleiten, aufzeichnen
zu können, müssen wir unsere Seismometer auf driftenden Eisschollen
aufbauen.“ Die ungewöhnliche Messmethode erwies sich als erfolgreich:
In einem ersten Test im Sommer 2001 - während der "Arctic Mid-Ocean Ridge Expedition (AMORE)" mit dem Forschungseisbrecher
Polarstern - zeichneten die Seismometer Knallgeräusche im Minutentakt
auf, die vom Meeresboden aus der Vulkanregion stammten. "Das war eine
seltene Zufallsaufzeichnung einer submarinen Eruption in unmittelbarer Nähe“
, so Schlindwein. "Ich habe 2001 zwar postuliert, dass der Vulkan
immer noch aktiv ist. Dass die aufgezeichneten Knallgeräusche aber von
aktuellen vulkanischen Explosionen stammen könnten, hatte ich aufgrund
der Wassertiefe von 4 Kilometern für wenig wahrscheinlich gehalten.“
Nach ihrer Teilnahme an der Oden-Expedition 2007, während der Schlindweins
Team gezielte Erdbebenmessungen in der aktiven Vulkanregion durchführte,
sieht die Wissenschaftlerin dies anders: "Unsere Arbeiten konzentrieren
sich nun darauf, die explosiven Vulkanepisoden von 1999 und 2001 anhand der
sie begleitenden Erdbeben zu rekonstruieren und zu verstehen. Wir wollen
wissen, welche geologischen Besonderheiten dazu führten, dass ein so
hoher Gasdruck aufgebaut werden konnte, der eine Vulkanexplosion in dieser
Wassertiefe überhaupt ermöglichte.“ Wie Robert Sohn vermutet
sie, dass explosive Vulkanausbrüche an den wenig erforschten ultralangsamen
Rücken viel verbreiteter sind, als je angenommen wurde.
Quelle: Pressemitteilung AWI
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 |  Fotografiert von : Stefan Brückner | |





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