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 Müll im Meer (23.02.2010)
Die schleichende Vermüllung der Meere
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Müllberge im Meer sind für den Tod von
Millionen von Lebewesen verantwortlich
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Der Spülsaum der Meere, einst typisch vielfältig aus Resten
von Algen und Muscheln, Holz, Vogelfedern und Seegras hat nichts mehr
mit dem Strandgut von heute zu tun: Es besteht aus
Zivilisationsmüll schlimmster Form, aus Verpackungen, Mobiliar,
Garderobe, Unrat jeder Art, Plastik in jeder Form und Farbe und
Metallschrott. Aber es kommt noch schlimmer: Nach Untersuchungen vor
der schwedischen Westküste wimmelt es im Meerwasser nur so von
mikroskopisch kleinen Plastikteilchen. Sie stammen z.B. vom Abrieb von
Tauen, Tampen und Netzen aus Fischerei und Schiffsverkehr. Zwischen 200
und 100 000 solcher Teilchen fanden Wissenschaftler in einem Kubikmeter
Meerwasser bei Stichproben.
Was das bedeutet, kann man allenfalls ahnen. In jedem Fall aber sind
die Mikroteilchen hochgiftig. Die Weltmeere verkommen zu einer
gigantischen Mülldeponie. Und immer deutlicher wird, dass der
menschliche Müll zur Todesfalle für unzählige Tiere
wird. Meeressäuger, Schildkröten und tauchende Vögel,
aber auch Fische, Wirbellose und Kleinlebewesen verfangen sich darin
und sterben elendig. An einigen wenigen Stränden dieser Welt wird
das Zeug wenigstens eingesammelt und vernichtet. Das aber ist die
Ausnahme.
In den meisten Teilen der Welt ist man noch lange nicht so weit, die
Errungenschaften menschlicher Zivilisation wenigstens zu entsorgen. Im
Prinzip gilt seit 1989 ein weltweites Verbot, Plastik-Schiffsmüll
ins Meer zu verbringen. Doch das kümmert kaum jemanden. Das Meer
ist groß und unüberschaubar. Weltweit, davon geht das
Umweltprogramm der Vereinten Nationen (UNEP) aus, kommen auf einen
Quadratkilometer Ozean 18 000 Teile Plastikmüll. Davon sinken rund
70% früher oder später auf den Meeresboden, der Rest wird von
den Meeresströmungen erfasst und dort zusammengeführt, wo
sich die Strömung zentriert. Ein solcher hot spot für
„Müllströme“ liegt z.B. im Nordostpazifik aber auch im
Nordatlantik und im Indischen Ozean gibt es solche
Müllströme.
Der Hauptmüllanteil ist Plastik. Dabei hat das Plastikzeitalter
erst nach dem 2. Weltkrieg begonnen. Auf den Inseln im Indischen
Ozean werden fast drei Millionen Tonnen Müll pro Jahr produziert,
von denen nur etwa 30% eingesammelt und vernichtet werden. Das meiste
verliert sich im Meer - und wird zum Umweltproblem Nr.1.
Etwa 80% des Mülls im Meer stammen vom Festland und werden z.B.
über Flüsse in die Ozeane verfrachtet. Der Rest stammt
von Standorten im Meer, wie Schiffen. In der Karibik erzeugen 35
Millionen Touristen allein auf Kreuzfahrtschiffen jährlich 700 000
Tonnen Müll, der zum Großteil an die Strände – und ins
Meer – gelangt. Es fehlt an Sammeleinrichtungen und
Vernichtungsmöglichkeiten für die Müllberge in den
Häfen. Und obwohl Lebensmittelreste über Bord gehen
dürfen, ist nicht immer nur das drin, was drin sein sollte. Jede
Menge Plastik, mitgeschreddert, landet im Meer. Was an Müll an den
Stränden liegen bleibt, versperrt z.B. jungen Seeschildkröten
den Weg vom Geburtsstrand zum Wasser – meist mit tödlichen Folgen.
Im kenianischen Schutzgebiet Kiunga sammeln Frauen
regelmäßig die schmalen Strände frei. Tausende
Flip-Flops, die die Küstenstreifen säumen, zerschneiden und
verarbeiten die Einheimischen zu Souvenirs weiter, wie bunten
Ohranhängern. Immerhin, so kommt der Unrat aus der Meeresumwelt,
zumindest vorübergehend.
Fernab von Zivilisation und Tourismus, wie an den Küsten der
dänischen Faröer, haben Wissenschaftler in mehr als 90% der
tot angespülten Eissturmvögel Plastikteile in den Mägen
gefunden. Vergleichbare Resultate bringen auch die Nordseewellen an den
Strand.
Mehr als eine Million Seevögel und Abertausende von
Schildkröten sterben jedes Jahr an den lange haltbaren
Überresten von Plastikmüll. Sie verhungern bei vollem Magen
an nicht verdaulichen Plastiktüten oder Luftballonresten, die sie
für Nahrung in den leer gefischten Meeren halten. Längst
haben Vogeleltern die Palette von Müll und Plastikteilchen in ihr
Repertoire an Futter auch für ihre Brut aufgenommen. Sie stopfen
Gift pur in die hungrigen Schnäbel ihrer Küken. Sie kennen
und finden kaum mehr genügend natürliche Nahrung. Viele
krepieren qualvoll an Vergiftungen, weil sich die nur langsam
auflösenden Materialien einige hundert Jahre halten.
Durch Lichteinflüsse, chemische Prozesse und Wellenbewegungen oder
Reibung an Fels und Sand zerfällt das Plastik in Millimeter
kleines Granulat und bunte Kügelchen. Nicht zuletzt über das
Plankton gelangt es in die Mägen und ins Gewebe von Fischen und
anderen Meerestieren. Zu Katalysatoren geworden, lagern sich an die
Plastikteilchen im Plankton hochgiftige Substanzen, wie Insektizide
oder das krebserregende PCB. Und über die Nahrungskette gelangt
der ganze Giftcocktail letztendlich auch auf den Tisch von uns
Menschen.
In den Weltmeeren geistern Abermillionen von Quadratmeilen Netzwerk
umher, die ziellos alles fangen, was zufällig in ihre Nähe
kommt. Die so genannten Geisternetze stammen aus der Fischerei und sind
versehentlich verloren gegangen oder kostengünstig entsorgt
worden. Sie fangen und töten völlig sinn- und ziellos,
ohne dass die Fänge je nutzbar gemacht werden könnten – als
Beifang.
Der Tsunami vom Dezember 2004 hatte gleich doppelt dramatische Folgen.
Hunderttausende Fischernetze, Langleinen, Fischfallen und anderes
Fanggeschirr wurden von den Stränden in die See gerissen. Die
Fischer standen mit leeren Händen da. Die herrenlosen
Fanggeschirre sind fast unverwüstlich und geistern Jahrzehnte lang
weiter durch die Meere. Als „Killing Maschine“ werden sie schon jetzt
Hunderttausende Fische das Leben gekostet haben, weiterhin Wale und
Delfine, Schildkröten und Seevögel töten.
Es wird höchste Zeit, dass sich etwa die Internationale Konvention
zur Vorbeugung der Meeresverschmutzung durch Schiffe (MARPOL) um das
Müllproblem im Meer ernsthaft kümmert. Dass Verantwortliche
oftmals wissen, was man tun kann, um die Meere besser vor uns und
unserer gnadenlosen Gleichgültigkeit zu schützen, sieht man
z.B. an den Bestimmungen der „International Association for Antarctic
Tour Operators“ (IAATO). Sie verlangt von ihren Mitgliedern, dass z.B.
ab dem 60. Breitengrad von Schiffen kein Schweröl
(Sondermüll) gefahren werden darf.
Sie verlangt auch, dass jeder Müll im Hafen entsorgt werden muss,
um an dieser Stelle nur zwei Beispiele zu nennen. Dass sich alle
IAATO-Mitglieder verpflichtet haben, die Tier- und Pflanzenwelt
der Antarktis auch bei Ausflügen zu Pinguinen & Co. zu
schützen, ist selbstverständlich.
Weitere Informationen:
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| |  |  | | 30.07.2010 Spendenaktion Jana
Am 16. Juli 2010 kam es auf dem Campingplatz Wulfener Hals/Insel
Fehmarn zu einem sehr folgenschweren Tauchunfall, die [mehr] | |  |
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 |  Fotografiert von : Jürgen Gerd Schneider | |





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