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 Muschel- Methusalem in Island entdeckt! (30.10.2007)
Forscher wollen Geheimnis des Alterns entschlüsseln
Bangor/Bremerhaven (pte/30.10.2007/06:05) - Ein Forscherteam der britischen
Bangor University hat
vor der Küste Islands ein Exemplar der Island Muschel Arctica islandica
gefunden, die zwischen 405 und 410 Jahre alt war. Damit ist die nun gefundene
Muschel deutlich älter als jenes Exemplar, das von US-Forschern 1982
vor der amerikanischen Küste geborgen wurde. Unter Wissenschaftlern
ist bekannt, dass diese Spezies zu den ältesten Tierarten der Welt gehört.
Der US-Fund war mit einem Alter von 220 Jahren als langlebigstes Tier im
Guinness-Buch-der-Rekorde eingetragen.
Arctica Islandica / © Hans Hillewaert (Wikipedia: Lycaon)
Die Forscher um Paul Butler und James Scourse hatten die alte Muschel im
Zuge der Datensammlung des EU-Millennium-Projekts, das die Klimabedingungen
der vergangenen 1.000 Jahre untersucht, 2006 gefunden. Die Forscher haben
der Muschel den Spitznamen "Ming" - nach der chinesischen Ming-Dynastie -
gegeben. "Es ist beinahe unvorstellbar, dass zur Zeit, als dieses Tier geboren
wurde, Königin Elisabeth die Erste auf dem Thron saß und Shakespeare
Othello und König Lear schrieb", so BBC-Online. Was die Wissenschaftler
an der Muschel interessiert, sind vor allem die Fragen nach dem Geheimnis
des langen Lebens.
"Dass Arctica-Exemplare sehr alt werden können, wissen wir seit längerem",
so Thomas Brey vom Institut für Marine Ökologie am Alfred Wegener Institut gegenüber
pressetext. "Dabei ist das Alter der Tiere im Vergleich zu anderen Wirbellosen
auch ziemlich auffällig. Muscheln, die zwischen 20 und 25 Jahre alt
werden, sind hingegen keine Seltenheit", erklärt Brey. Für die
Wissenschaft ist die Muschel aus zwei Gründen sehr interessant: "Einerseits
sind es die Geheimnisse des Altwerdens, die die Forscher lüften wollen,
andererseits spiegeln die Muscheln in ihren Schalen klimatische Veränderungen
wider", so der Wissenschaftler. Wir wissen, dass es bei Arctica etwas Außergewöhnliches
im Metabolismus gibt. "Die Tiere scheinen einen Schutzmechanismus zu haben
und können sich selbst abschalten", erklärt der Experte. Dieses
Geheimnis sei auch für die Humanmedizin von Interesse. "Arctica-Exemplare
werden offensichtlich in den kälteren Gewässern um Island besonders
alt. Jene Tiere, die in südlicheren Gewässern lebten, erreichen
kein so hohes Alter."
"Jeder biogen erzeugte Kalk erzählt außerdem eine sehr interessante
Geschichte", erklärt Brey. Das jährliche Wachstum, also der Teil
des Tieres, der in einem Jahr dazuwächst, gibt Aufschluss darüber,
wie das Jahr im Meer war. "Wenn man in das Karbonat hineinschaut, zeigen
sich über stabile Sauerstoff-Isotope auch biochemische Spuren. Das bedeutet,
dass eine Muschelschale wie ein aufgezeichnetes Thermometer wirkt", so der
Wissenschaftler. In den Muschelschalen könne man aber auch noch andere
chemische Elemente entdecken. "Da finden sich zum Beispiel Spuren über
menschliche Aktivitäten wie etwa dem Beginn des industriellen Zeitalters
und damit einhergehend der Umweltverschmutzung", erklärt der Wissenschaftler.
"Die Muschelschale wird so zu einem Klimaarchiv, der wie ein Bio-Rekorder
alle Veränderungen aufzeichnet."
Die Arctica-Muscheln leiden offensichtlich in der Nordsee unter großem
Stress, denn jüngere Tiere wurden in den vergangenen Jahren kaum mehr
gefunden, wie Brey berichtet. Daran könnte neben der Erwärmung
des Meeres auch die Schleppnetzfischerei schuld sein, die mit schweren Metallrechen
den Meeresboden durchpflügt und dabei große Schäden anrichten.
Aussender: pressetext.austria
Redakteur: Wolfgang Weitlaner
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 |  Fotografiert von : Andreas Plützer | |





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