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 Räuber, Monster, Menschenfresser - neues Buch! (12.11.2007)
Neues Buch über Haie: Räuber, Monster, Menschenfresser
Anfang Oktober erschien im KOSMOS Verlag ein neues Buch über Haie, für
das die Haischützer Gerhard Wegner (Offenbach am Main), Robert Hofrichter
(Salzburg) und Franzisa Anderle (Wien) mit Absicht den reißerischen
Titel “Räuber, Monster, Menschenfresser – 99 Unwahrheiten über
Haie” wählten.
Während der Haupttitel durch eine bewusste Überzeichnung das Interesse
des Lesers weckt, macht der Untertitel unmissverständlich klar, dass
es sich bei den vielen Geschichten rund um Haie in aller Regel um Unwahrheiten
und haltlose Vorurteile handelt. Dass Haie jeden Tropfen (Menschen)Blut auf
viele Kilometer riechen, dass sie ständig darauf aus sind Menschen zu
fressen, dass sie immer schwimmen müssen um nicht zu ersticken und dass
Schillerlocken ausgezeichnet schmecken, aber nichts mit Haien zu tun haben,
sind nur wenige Beispiele von insgesamt 99 Themen, bei denen mit Vorurteilen
über Haie gründlich aufgeräumt wird.
Unter anderem beschäftigt sich das Buch auch mit den Haien im Mittelmeer.
Hier kommen “von Natur aus” an die 50 Haiarten vor, unter ihnen der größte
Raubhai der Gegenwart, der Weiße Hai (Carcharodon carcharias). Als
Folge der Klimaerwärmung könnte diese Zahl noch anwachsen, da immer
mehr “Exoten” aus wärmeren Gegenden das Mittelmeer besiedeln. Dieses
Phänomen ist jedoch in keiner Weise “haispezifisch”, denn es bezieht
sich genauso auf winzige Planktonorganismen, Algen, Muscheln, Fische und
eigentlich alle Organismengruppen.
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Räuber, Monster, Menschenfresser
Wegner Gerhard, Hofrichter Robert, Anderle Franziska
99 Unwahrheiten über Haie
Verlag: KOSMOS (FRANCKH-KOSMOS)
Einband: Gebunden
ISBN: 9783440112618
Preis: Deutschland 16,95 EUR | Österreich 17,50
EUR
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Die Erst-Präsentation des Buches findet am 13.November 2007 in Salzburg
während der Sharkproject-Vortragstour Herbst 2007 statt. Siehe auch
Event-Kalender!
Leseprobe mit freundlicher Genehmigung der Autoren:
Kapitel: Die Hai-Society: Im Mittelmeer leben nur wenige (gefährliche)
Haie
Der Platz reicht nicht aus um all die spannenden Geschichten über tatsächliche
und angebliche Haiangriffe aus dem Mittelmeer zu erzählen. Zwischen
1899 und dem Ende des Jahrtausends, in hundert Jahren also, hat es etwa 60
registrierte Fälle von Haiangriffen auf Menschen oder Boote (einschließlich
Kanus) im Mittelmeer gegeben. Einer der bekanntesten tödlichen Unfälle
war der viel zitierte Fall des italienischen Tauchers Luciano Costanzo im
Februar 1989.
Nur jemand, der sich noch nicht ernsthaft mit Haien beschäftigt hat,
glaubt, was die Überschrift behauptet … Im Mittelmeer leben mindestens
50 Haiarten und überraschender Weise werden es immer mehr. Wie ist das
möglich?
Wir neigen dazu “kleinere Meere“ wie das Mittelmeer zu unterschätzen.
So “klein“ ist es mit seiner Fläche von 2.505.000 Quadtratkilometer,
einer mittleren Tiefe von 1430 Meter und einer maximalen Tiefe von über
5000 Meter, einem Wasservolumen von 3.700.000 Kubikkilometer eigentlich gar
nicht. Dennoch drängt sich bei uns irgendwie das Gefühl auf, dass
nur die großen Ozeane einen großen Reichtum an Arten beherbergen
und die “kleineren“ Randmeere und Mittelmeere weniger zu bieten haben.
Alle Verehrer des Mediterrans, und das sind wahrlich nicht wenige, können
beruhigt sein: Das Mittelmeer ist ein “vollwertiges“, “richtiges“ Meer. Meereskundlich
ist es ein Ozean im Kleinformat, der sich wie ein Mosaik aus vielen kleineren
Meeresbecken zusammensetzt – aus sterbenden, uralten (Ost- oder Levantinisches
Becken) und viel jüngeren, sich entfaltenden Becken (Teile des Westmediterrans).
All das kümmert die Haie jedoch kaum: Ob Ostmediterran, verschiedene
Teile des Westmediterrans, die Ägäis oder auch die Nordadria, immerhin
um die 50 Haiarten bevölkern die mediterranen Gewässer. Das ist
grob gerechnet ein Zehntel aller weltweit beschriebenen Spezies.
Es ist allerdings nicht die Zahl allein, die beeindruckt – vielmehr ist es
die hochrangige Zusammensetzung der Hai-Gesellschaft, der Hai-Society. Nur
wenige der großen, imposanten Haiarten fehlen – das sind vor allem
tropische Arten wie Walhai und Tigerhai, denen es in diesem warm-gemäßigten
Meer im Winter schlicht zu kalt ist. Oder aber kleinere Arten bodennahe lebender
Haie wie Dornhaie und Katzenhaie, die oft “von Natur aus“ kleinere Verbreitungsgebiete
haben als die großen Arten des Freiwassers. Doch selbst unter den tropischen
Arten gibt es Irrgäste, die vereinzelt im Mittelmeer gesichtet werden.
Sollte die Klimaerwärmung weiterhin fortschreiten, wird das Vorkommen
tropischer Haie im Mittelmeer keine Fiktion bleiben.
Der zweitgrößte Hai (und Fisch) überhaupt, der Riesenhai,
fehlt im Mittelmeer ebenso wenig wie der Blau- oder Makohai, wie der Sandtigerhai,
wie vier Arten von Hammerhaien (die an gut beströmten Stellen in größeren
Schulen auftauchen), der Sechskiemerhai, der Fuchshai … und, was so manchen
Mittelmeerurlauber unangenehm berührt … der Große Weiße
Hai. Wer nun glaubt, dass der im Mediterran nur ein Exot ist und sich zufällig
ab und mal ins Mittelmeer verirrt, der täuscht sich. Für den größten
und mächtigsten Raubhai der Gegenwart ist das Mittelmeer sein ureigenes
Heimatrevier, genauso typisch wie Südafrika, Teile der Küste Australiens
oder Kaliforniens. Der Weiße Hai mag es eher etwas kühler, in
der Sprache der Meereskundler warm-gemäßigt. Er ist in rein tropischen
Gewässern seltener anzutreffen.
Fast schon automatisch drängt sich die Frage auf: Und wovon lebt dann
der Weiße Hai eigentlich im Mittelmeer? Im Zeitalter der grenzenlosen
Ausbeutung, Überfischung und Vergiftung der Meere ist diese Frage mehr
als berechtigt. Heute gibt es sicherlich nicht mehr so viele Weiße
Haie im Mediterran wie in der Vergangenheit. Denn das Mittelmeer, das war
einst die Heimat von riesigen Schulen von Thunfischen, die durch die Meerenge
von Gibraltar ins mediterrane Becken zogen, um sich hier fortzupflanzen,
die Heimat von etwa 20 Wal- und Delfinarten, von Mönchsrobben, die bereits
so gut wie ausgestorben sind und von mindestens vier Arten von Meeresschildkröten.
Hinzu kamen mehr als 600 Arten Knochenfische (im Vergleich dazu hat die tropische
Karibik mit ihren Korallenriffen etwa 800 Arten) und all die weiteren Meeresbewohner.
Heute zählt das Mittelmeer zu den am ärgsten und am längsten
strapazierten Meeren der Welt. Der Große Weiße Hai hat dennoch
überlebt, obwohl jede Sichtung eine kleine Sensation und meist auch
eine große Hysterie auslöst. Den Medien liefert das beeindruckende
Tier gute Storys und es provoziert oft einen Feldzug der Küstenwache
gegen den Hai mit dem Ziel es zu töten.
Wunder über Wunder: Der Weiße Hai ist relativ nahe mit dem Riesenhai
verwandt (beide zählen zur Ordnung der Makrelenhaiartigen), einem trotz
seiner Größe völlig harmlosen Planktonfresser. Wenn man genauer
hinschaut, lässt sich die nahe Verwandtschaft anhand der Körperform
erahnen. Vor allem am Kopf und hier speziell im Kiemenbereich haben sich
die beiden Arten aufgrund der völlig unterschiedlichen Ernährung
dennoch unterschiedlich entwickelt. Riesenhaie beeindrucken durch die enorme
Größe ihrer Kiemenschlitze, die rückenseitig sehr hoch hinauf
reichen und bei abgespreizten Kiemen während des Filtrierens den
Eindruck erwecken, dass sie fast den gesamten Kopf umschließen. Abgesehen
davon können Riesenhaie und Weiße Haie von einem Boot aus durchaus
verwechselt werden. Genau das passiert regelmäßig in der Adria.
Wenn an der dalmatinischen Küste Weißhaialarm ausgerufen wird
(Kroatisch morski pas, Meereshund), dann rückt oft die Küstenwache
mit Gewehren aus und es sind häufig die harmlosen Riesenhaie, die der
von den Medien geschürten Haihysterie zum Opfer fallen.
Riesenhaie wurden früher hauptsächlich wegen des Öls ihrer
Leber gejagt, seitdem diese Nutzung an Bedeutung verloren hat, nimmt der
Bestand der Riesenhaie offenbar wieder zu. Im westlichen und zentralen Mittelmeer,
rund um Korsika und Sardinien und im Frühjahr rechtzeitig zur Planktonblüte
bis in die nördlichste Nordadria sind die Riesen zu finden (nachdem
sie den Winter vielleicht – falls diese Theorie bestätigt werden kann
– in der Tiefsee ohne Nahrungsaufnahme und ihre Kiemenreusen regenerierend
verbracht haben). Ende der 1990er Jahre und zu Beginn des neuen Jahrtausends
wurden die Rückenflossen der Riesenhaie oft schon von den Straßenkaffees
in Piran (Slowenien) gesichtet. Taucher und Biologen ließen daraufhin
ihre Capuccinos stehen und eilten mit ihren Booten schnell hinaus zu den
imposanten Haien, um mit ihnen zu Schnorcheln. Dabei konnten sie beobachten,
dass die Plankton fressenden Riesen keinesfalls nur “dumme Fressmaschinen“
sind, die stundenlang mit aufgerissenen maul durch Planktonwolken schwimmen.
Vielmehr prüften die Haie aufmerksam das Wasser und machten ihr Maul
in den dichtesten Ansammlungen des Planktons auf.
Wer das Mittelmeer in “Haifragen“ unterschätz, tut es aus Unwissenheit.
Ob Hochseearten (Blauhai) oder küstennahe lebende Spezies (Katzenhaie),
ob winzig klein (das Männchen des Samtbauchhais wird schon mit 28 Zentimeter
Länge geschlechtsreif) oder riesig (manche der größten jemals
vermessenen Weißen Haie mit etwa 6,5 Meter Länge wurden im Mittelmeer
gefangen; der Riesenhai erreicht bis 12 Meter Länge), ob am Boden lebend
(Engelshai) oder einer, der sich gern dicht unter der Wasseroberfläche
aufhält (z. B. Mako, Blauhai, Heringshai), sie alle sind im Mittelmeer
heimisch.
Die Klimaerwärmung ist in aller Munde und schreitet voran. Auch die
Haie spüren sie. Exoten, die normalerweise nur in tropischen Meeren
leben, finden über die Straße von Gibraltar immer häufiger
den Weg ins Europäische Mittelmeer, darunter manche der “legendärsten“
Haie überhaupt wie Tigerhaie, Weißspitzen-Hochseehaie oder sogar
Walhaie. Eine andere Kategorie der Exoten kommt nicht aus dem Atlantik, sondern
aus dem Roten Meer. Seit der Eröffnung des durch Ferdinand de Lesseps
erbauten Suezkanals im Jahr 1869 wandern durch die künstliche Meeresstraße
Arten aus dem Roten Meer ins Mittelmeer ein. Interessanterweise funktioniert
diese Einwanderung vor allem in einer Richtung, von Süd nach Nord. Zwischenzeitlich
dürften es an die 800 Arten von Algen, Seegräsern und Tieren, die
vor allem im östlichen Mittelmeer eine neue Heimat gefunden haben. Die
Einwanderer werden zu Ehren des Kanalerbauers Lesseps’sche Migranten genannt.
Zu ihnen zählt auch der Schwarzspitzen-Riffhai, ein Inbegriff eines
tropischen Riffhais. Von dieser eher kleineren Haiart wurde in tunesischen
Gewässern ein immerhin 267 Zentimeter langes trächtiges Weibchen
gefangen.
Einst hat es viel mehr Haie im Mittelmeer als heute gegeben. Die meisten
Taucher kennen die Jugendgeschichten von Hans Haas, in denen er über
Dynamitfischer und Haie in Griechenland berichtet… “Ein Höhepunkt ist
die Begegnung mit dem Hai, der als edler Herrscher der Meere vorgestellt
wird … Durch die damals verbreitete Dynamitfischerei angelockt, zeigen sich
Haie, Rochen, Thunfische..., die Hass aus nächster Nähe studieren
kann. Unglaublich, wie sich in diesen Kameraeinstellungen, die Hai und Mensch
gleichzeitig zeigen, die Taucher zwischen den gefürchteten Tieren bewegen
und sie durch Schreien oder Anschwimmen in die Flucht schlagen …“, so beschrieb
die Illustrierte Film-Bühne Nr. 566 die Szenen aus dem Film Menschen
unter Haien von Hans Hass, der 1947 erstaufgeführt wurde. Heute einen
solchen Film über Haie im Mittelmeer zu filmen – das wäre kaum
noch möglich.
Die Rückgänge der Haibestände sind bei manchen Arten dramatisch.
Erstens weil die Haie selbst überfischt werden, zweitens weil auch ihre
Nahrungsgrundlagen zerstört worden sind. Nur selten gelingt es dieses
vor unseren Augen ablaufende Aussterben mit gut recherchierten Zahlen zu
belegen. Im Fall des Gewöhnlichen Hammerhais können wir es dank
einer Studie aus Italien. In den Gewässern um Sizilien wurde die Art
häufig gefangen, doch die Fangzahlen vor Palermo sind in den letzten
30 Jahren um 96 bis 98 Prozent zurückgegangen! Für diese Art kam
das Verbot der Driftnetze im Jahr 1998 eindeutig zu spät. Von den bis
zu 450 erbeuteten Tieren jährlich haben sich die Fänge heute gegen
Null reduziert. Und das ist nur eine Art unter den 50 im Mittelmeer vorkommenden
Haispezies.
Malta ist übrigens unter den Mittelmeerländern ein Vorreiter in
Sachen Haischutz und war das erste Europäische Land, das den Weißen
Hai völlig unter Schutz gestellt hat. Diese Haiart gehört überhaupt
zu den bestgeschützten Arten, denn Fangverbote gibt es zwischenzeitlich
auch in den USA, in Australien, in Südafrika, und in Namibia. Doch durch
die Größe der Gebiete, die die Tiere durchwandern, sind die Schutzbestimmungen
nur schwer umzusetzen. Die Populationen der Tiere sinken weiterhin dramatisch.
Eine ausgezeichnete Zusammenfassung des Themas bietet ein Artikel von Ian
K. Fergusson, die auch im Internet zu finden ist!
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 |  Fotografiert von : Stefan Brückner | |





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