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 Rippenqualle etabliert sich in der Ostsee (26.10.2007)
Gdansk/Warnemünde: Die vor einem Jahr zum ersten Mal in der Kieler
Förde und der Beltsee gesichtete Rippenqualle (Mnemiopsis leidyi)
hat sich offenbar in der Ostsee etabliert. Vor wenigen Tagen sichteten polnische
Taucher die fremdländische Quallenart auch in der Danziger Bucht. Besonders
in der Putziger Bucht vor der Halbinsel Hela seien in der vergangenen Woche
in etwa zwei Metern Tiefe die luminiszierenden Lebewesen entdeckt worden,
sagt der Leiter der Meeresforschungsstation Hela, Krzysztof Skora.
Auch wenn sie oberflächlich betrachtet wie Quallen aussehen, gelten
sie zoologisch nicht als echte Quallen; nicht zuletzt weil ihnen die für
diese charakteristischen Nesselzellen fehlen. Die mehr als 100 Arten der
Rippenquallen sind weltweit in den Ozeanen verbreitet und stellen regional
einen bedeutenden Anteil der gesamten Plankton-Biomasse dar.
Die Entdeckung bestätigt jüngste Erkenntnisse deutscher Forscher,
die seit Jahresbeginn die Ausbreitung der Quallen beobachtet haben. Die möglicherweise
über Ballastwassertanks eines Schiffes von der ostamerikanischen Küste
eingeschleppten Tiere seien Berichten finnischer und schwedischer Forscher
zufolge schon bis in den Finnischen und Bottnischen Meerbusen gelangt, sagt
Lutz Postel, Meeresbiologe am Institut für Ostseeforschung in Warnemünde.
Die Rippenquallen driften schwebend durch die Strömung und bewegen sich
wie das Plankton auch gegen den Uhrzeigersinn in der Ostsee. Mit einem Strömungsmodell
berechnen die Experten in Warnemünde derzeit, ob der passive Transport
allein für die rasche Ausbreitung sorgt. An eher milde Temperaturen
gewöhnt haben die Atlantik-Bewohner in den Tiefengewässern der
Ostsee überwintert. Im Bornholm-Becken zum Beispiel hatten Wassertemperaturen
um die neun Grad Celsius geherrscht. «Wir gehen davon aus, dass die
Rippenqualle ein Dauergast in der Ostsee bleibt», sagt Postel.
Mnemiopsis ist bereits die fünfte Rippenquallen-Art, die sich in dem
413 000 Quadratkilometer großen Binnenmeer ausbreitete. So gehört
die bis zu drei Zentimeter große Seestachelbeere (Pleurobrachia
pileus) bereits seit jeher zum Ökosystem Ostsee, ohne eine dominierende
Rolle zu spielen.
Im Schwarzen Meer dagegen hatten die sich explosionsartig vermehrenden Rippenquallen
in den 80er Jahren die ohnehin gefährdeten Sardellen-Bestände so
sehr reduziert, dass dort die Fischerei zum Erliegen kam. Doch anfängliche
Befürchtungen, die Quallen könnten auch in der Ostsee unter den
Herings- und Sprotten-Jungfischen räubern, teilen die Forscher mittlerweile
nicht mehr.
«Massenhaft könnten die Rippenquallen bei uns allenfalls im August
auftreten, wenn die Wassertemperaturen der Ostsee die 20-Grad-Grenze ansteuern»,
sagt Postel. Zu dieser Zeit jedoch sei der schon im Frühjahr schlüpfende
Herings- und Sprottennachwuchs längst aus dem Gröbsten heraus.
Gänzlich Entwarnung wollen die Wissenschaftler aber vorerst noch nicht
geben. Denn möglicherweise könnten die Rippenquallen zur Gefahr
für andere, weniger massenhaft auftretende Fischarten werden. Wenig
ist bislang zum Beispiel darüber bekannt, wie sich die Räuber gegenüber
dem Dorschnachwuchs verhalten. Gefahr könnte auch selteneren, wirtschaftlich
unbedeutenden Ostseefischen wie Grundel, Seestichling oder Wittling drohen.
Die Rippenqualle bleibt daher im Visier der Wissenschaftler. Sie interessieren
sich jetzt vor allem dafür, inwiefern sich die neuen Bewohner den kühleren
Bedingungen in der Ostsee anpassen können.
(ursprüngliche Meldung: ddp)
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 |  Fotografiert von : Andreas Plützer | |





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