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 Todesgefahr für Ostsee-Schweinswale (25.05.2009)
Speedboot-Rallye "4-Elements Challenge": Todesgefahr für Ostsee-Schweinswale
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Der Ostsee-Schweinswal - eine stark bedrohte Art
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Hamburg/Kiel, 25.05.2009 - Obwohl der Schweinswal in der Ostsee ein
vom Aussterben bedrohter und deshalb zu schützender Meeressäuger
ist, meint eine kleine Minderheit, keinerlei Rücksicht nehmen zu müssen.
Die Rede ist von einer Spaßveranstaltung unter dem Begriff „4 Elements
Challenge“, die 16 Tauchern mit 250PS-Speedbooten (bis 50 kn bzw. 92 km/h)
einen High-Speed-Kick geben mag, dafür aber das Leben von Schweinswalen
aufs Spiel setzt - noch dazu in ihrer Kinderstube.
Die Naturschutzorganisationen Gesellschaft zum Schutz der Meeressäugetiere
(GSM), der Naturschutzbund Schleswig-Holstein (NABU S-H), die Gesellschaft
zur Rettung der Delphine (GRD) und der Verband Deutscher Sporttaucher (VDST)
protestieren vehement gegen diese geplante Art von Schnitzeljagd mit Wracktauchen.
Gestartet werden soll in der Eckernförder Bucht und nach einer etwa
140 km langen Strecke zum Ziel in die Kieler Innenförde führen.
Die sich hauptsächlich akustisch orientierenden Schweinswale leiden
nicht nur unter dem extrem hohen Unterwasserlärm, sondern sie erliegen
auch Verletzungen durch die Schifffahrt. Gerade sehr schnellen Booten können
sie nicht ausweichen. Deshalb ist der einzige in der Ostsee heimische Wal
nicht ohne Grund in Anhang IV der FFH-Richtlinie (Natura 2000) aufgeführt.
Er hat Schutzmaßnahmen bitter nötig. Er unterliegt u.a. dem „Störungsverbot“
laut Bundesnaturschutzgesetz, wie das Bundesamt für Naturschutz (BfN)
bestätigt. Untersagt sind z.B. erhebliche Störungen besonders während
der Fortpflanzungszeit.
NABU, GSM, VDST und GRD fordern vom Veranstalter, der Kieler Tauchschule
„Baltic Dive Center“, die Speedboot-Rallye abzublasen. Sie ist geplant für
den 3. und 4. Juli, mitten in der Wurf- und Säugezeit, in einem Gebiet
mit der höchsten Schweinswaldichte an der deutschen Ostseeküste
und soll alljährlich stattfinden. Einige Sponsoren, die nicht die Schweinswale
gefährden wollen, sind inzwischen ausgestiegen.
Der VDST tritt für eine natur- und umweltverträgliche Ausübung
des Tauchsportes ein. Schlauchbootrennen, auch mit Tauchern, durch ein Gebiet
mit hoher Waldichte, stehen im Gegensatz zu diesem Grundverständnis
und auch zu den Leitlinien für einen umweltverträglichen Tauchsport
des VDST. In den Leitlinien wird u.a. zum Verzicht auf den Tauchgang aufgefordert,
wenn dieser nicht ohne Schädigung der Umwelt durchgeführt werden
kann. „Wenn man schon auf eine solche Veranstaltung besteht, dann bitte zumindest
zu einer anderen Jahreszeit und auf einer walfreien Route“ so der Biologe
und VDST-Präsident Franz Brümmer.
Eine vergleichbare Veranstaltung der Firma „Supersail“ vor Sylt, die für
Ostern und Pfingsten geplant war, wurde storniert, und aus der Lübecker
Bucht wurde die Powerboot-Raserei verbannt. Das wird auch so manch einem
Touristen gefallen.
Kontakt und weitere Informationen:
Bitte unterstützen Sie jetzt die Online-Protestaktion
"Stoppt die 4 Elements Challenge"
GSM: Hans-Jürgen
Schütte (04106 - 47 12 | info@gsm-ev.de)
NABU S-H: Ingo Ludwichowski
(04321 – 53734 | Ingo.Ludwichowski@NABU-SH.de)
GRD: Ulrich Karlowski
(Tel.: 089 – 7416 0410 | info@delphinschutz.org)
VDST: Dr. Ralph Schill (Tel.:
069-981902 5 | umwelt@vdst.de)
Hintergrundinformationen:
Wale
Wie die meisten Zahnwale benutzen die Schweinswale ein biologisches SONAR
durch das Aussenden von Ultraschallklicks, um ein „Hörbild der Umgebung
“ zur Orientierung und Futtersuche zu erhalten. Unterwasserlärm beeinträchtigt
die Tiere durch erhebliche Störungen. So können Mutter und Kalb
voneinander getrennt werden. Schon ab einer Entfernung von vermutlich nur
50 m können Mutter und Kalb einander nicht mehr hören.
Wie der Experte und Diplom-Ingenieur Berthold Werner immer wieder aus beruflichem
Anlass im Wasser gemessen hat, sind bei Booten mit Außenbordmotoren
ab ca. 20 kn Geschwindigkeit und 40 PS Leistung Kavitationsgeräusche
der Propeller nicht zu vermeiden. Propellerkavitation bedeutet stark ausgeprägte
Schalldruckpegel im Frequenzbereich ab ca. 100 Hz bis über 100 kHz hinaus.
Eine weitere erhebliche Lärmbelastung sind die Transienten beim harten
Aufschlagen der Rennboote (RIBs) auf die Wasseroberfläche. Für
die Schweinswale eine unerträgliche Belastung und Schädigung bis
zur Selbstschädigung durch zu schnelles Auftauchen.
Wie die seit vielen Jahren von der Gesellschaft zum Schutz der Meeressäugetiere
(GSM) gesammelten Totfunde belegen, sterben Schweinswale nicht nur als unbeabsichtigter
Beifang in der Fischerei, sondern auch bei Kollisionen mit schnellen Booten
/ Schiffen.
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 |  Fotografiert von : Stefan Brückner | |





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