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 Verzeichnis aller bekannten marinen Lebewesen ist online (28.06.2008)
"Beschreibung der Arten ist Grundstein für Meeresschutz"
Washington - Die Organisation Census of Marine Life (CoML)
hat es sich zum Ziel gesetzt, die derzeit rund 230.000 bekannten Arten von
Meereslebewesen zu erfassen und Wissenschaftlern wie Laien zugänglich
zu machen. Dazu hat das internationale Forscher-Netzwerk das Online-Verzeichnis
World Register of
Marine Species eingerichtet. Die Übersicht umfasst derzeit 122.500
verifizierte Arten, über 50.000 Parallelbezeichnungen konnten die Experten
schon aussondieren. Die Datenbank umfasst neben Informationen über die
Artensystematik und exakte Namen auch Beschreibungen von Lebensweise und
Lebensraum. Einige tausend Photos illustrieren das Werk, das bis zum Jahr
2010 komplettiert sein soll. "Wollen wir die Meere schützen, müssen
wir abschätzen können, wie widerstandsfähig ein System ist,
wenn Arten verloren gehen oder herausgefischt werden", sagt Brigitte
Ebbe vom Projekt CeDAMar,
das am CoML beteiligt ist, gegenüber pressetext. "Die Taxonomie,
die Beschreibung der Arten, ist da die Basis, von der wir ausgehen können."
Während bisherige Verzeichnisse in Anbetracht der Fokussierung auf bestimme
Spezies oder Regionen nicht vollständig waren, soll das World Register
ein umfassendes Kompendium der bekannten Arten werden, dass Wissenschaftlern
und Normalsterblichen per Mausklick zur Verfügung steht. "Überzeugende
Warnungen über abnehmende Bestände von Fischen oder anderen Meereslebewesen
müssen auf einer validen Erfassung basieren", sagt Mark Costello,
Miturheber des World Register. "Dieses Projekt wird die Informationen
für Forscher verbessern, die Fischerei, invasive und bedrohte Arten
sowie marine Ökosysteme untersuchen." Auch der Fehlinterpretation
von Namen, Verwirrung über die lateinische Schreibweise und Mehrfachbenennungen
soll das Verzeichnis entgegentreten. "Denn solche Verwirrung streuenden
Probleme verlangsamen den Forschungsprozess", fügt Costello an.
Bisheriger Spitzenreiter bei den Mehrfachbenennungen sei der Schwamm Halichondria
panicea, der seit seiner Entdeckung mit über 50 lateinischen Synonymen
beschrieben wurde.
Zudem übersteige die Geschwindigkeit, mit der neue Meereslebewesen entdeckt
werden, die Kapazitäten der Wissenschaft, sie zu beschreiben, zu verifizieren
und zu benennen. Das weltweite Netzwerk des World Register könne da
einen hilfreichen Beitrag leisten, meint Initiator Edward Vanden Berghe von
der Rutgers University:
"Moderne Technologien erlauben eine beispiellose globale Zusammenarbeit,
um mehr als 250 Jahre Forschung bezüglich der Meereslebewesen zu überprüfen
und weiter voranzubringen." Um die Liste zusammenzutragen bedient sich
die Organisation bereits publizierter Aufzeichnungen über marine Spezies
wie dem European
Register of Marine Species (ERMS), die von Experten überprüft
und zusammengetragen werden.
Bis zum Ende dieses Jahres wollen die Forscher 200.000 Arten katalogisiert
haben, im Jahr 2010 soll das erste vollständige Kompendium der bekannten
Meereslebewesen herausgebracht werden. Allerdings dürfte die Arbeit
damit bei Weitem noch nicht abgeschlossen sein. "Es herrscht noch immer
ein Missverhältnis zwischen den bekannten Arten auf dem Land und zu
Wasser. Immerhin wird unser Planet zu zwei Drittel von Wasser bedeckt, es
beherbergt aber nur einen geringen Teil der bekannten Arten", erklärt
Ebbe. Die Taxonomen gehen davon aus, dass mindestens eine Mio. mariner Arten
existieren, die obere Grenze können sie aber nicht beziffern. "Die
küstennahen Gebiete sind zwar relativ gut erforscht, die Tiefsee unter
2.000 Meter ist es aber nicht. Von einer hier entnommenen Probe sind fast
100 Prozent Organismen, die noch nie ein Mensch gesehen hat."
Quelle: pressetext.deutschland
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 |  Fotografiert von : Andreas Plützer | |





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